Das vertraute Schulambiente zum letzten Mal genossen


Mittlere Reife für 66 Absolventinnen / Schulleiterin ermutigt zum Kampf gegen eine "moralisch erbärmliche Gesellschaft"






Die sechs Schülerinnen mit einer Eins vor dem Komma und die Schulleitung, von links: Realschulkonrektor Richard Reber, Anja Schneeberger, Isabell Reil, Susanne Kemptner, Claudia Stich, Julia Vogel, Schulleiterin Renate Gammel, Barbara Meier.

Bild: Ringeisen



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Amberg (ake). "Zeit ist eine relative Größe, allein der gegenwärtige Augenblick gehört uns." Mit diesen Worten hat Schulleiterin Renate Gammel die 66 Absolventinnen der Dr.-Johanna-Decker-Realschule am Mittwochabend verabschiedet.

In feierlichem Rahmen überreichte die Oberstudiendirektorin den Absolventinnen das Zeugnis der Mittleren Reife im Gerhardinger-Saal der Schule. In ihren "Weg-Gedanken" plädierte die Schulleiterin für eine humanere Gesellschaft und richtete das Wort direkt an die jungen Schulabgängerinnen: "Ich wünsche mir, dass Sie nie zu denjenigen gehören, die Gewalt ausüben." Zivilcourage, Standfestigkeit und Mut sollten die Abgängerinnen auch in Zukunft im Kampf gegen eine zwar "technisch brillante, aber moralisch erbärmliche Gesellschaft" bestärken.

"Höhen und Tiefen", so das Motto der Abschlussfeier, beschreibe auch die "Dr.-Johanna-Decker-Achterbahn", sagte Schülersprecherin Kathrin Lehnerer in ihrer Laudatio an die Absolventinnen. In guter Gemeinschaft und im Glauben an Gott hätten die erfolgreichen Absolventinnen schwierige Passagen während der Schulzeit gemeistert. Lehnerer dankte dem Lehrkörper und dem Elternbeirat.

Applaus für Schulbeste

Anerkennenden Applaus ernteten die Schulbesten Barbara Meier (R10c), Claudia Stich (R10a), Isabell Reil (R10a), Anja Schneeberger (R10b) sowie Susanne Kemptner und Julia Vogel (R10c) für ihre herausragenden Leistungen. Zu den Klassenbesten gehörten ferner Doris Schißlbauer (R10a), Sandra König (R10b), Sandra Koschemann (R10b) und Claudia Sommer (R10c). Maria Bothner wurde aus dem Elternbeirat verabschiedet. Seit 1998 fungierte sie als Schriftführerin und wertvolle "Stütze".

Schulmedaillen verliehen

Feierlich gestalteten die Schülerinnen Sandra König, Christina Hollweck, Ramona Koller und Simone Hammer sowie die A-B-C-Singers den musikalischen Rahmen. Über die Verleihung der Schulmedaille durften sich die Absolventinnen Doris Schißlbauer, Kerstin Dollacker, Andrea Kammerl und Kathrin Lehnerer für ihr außerordentliches Engagement freuen. Allen Absolventinnen wurde nach der Feier von der Schülermitverantwortung eine rote Rose zum Abschied überreicht. Beim Sektempfang im Klostergarten genossen die jungen Damen das vertraute und beschützende Ambiente des Schulgeländes zum letzten Mal.


Amberger Nachrichten, 26. Juli 2002











Mitfühlende Gesellschaft bauen


DJD-Realschulabschluss: Schulleiterin appelliert an Mut der Absolventinnen



Amberg. (rpe) Für 66 Schülerinnen der Dr.-Johanna-Decker-Realschule ging am Mittwoch ihre Schulzeit zu Ende. Schulleiterin Renate Gammel begrüßte neben den Hauptpersonen und ihren Eltern auch Bürgermeister Triller, der als Vertreter der Stadt gekommen war. Unter den sechs Jahrgangsbesten hob sie besonders Barbara Meier hervor, die einen selten guten Zeugnisdurchschnitt von 1,08 erreicht hat.

Elternbeirätin Maria Bothner wurde mit Dank für ihre konstruktive Mitarbeit verabschiedet, da sie mit dem Schulabschluss ihrer Tochter aus dem Elternbeirat ausscheidet.

In der festlichen, aber auch fröhlichen Feier, die von musikalischen Einlagen der Schülerinnen gestaltet wurde, sprach zunächst Kathrin Lehnerer als Vertreterin des Abschlussjahrgangs. Sie verglich in ihrer Ansprache die Schulzeit mit einer Achterbahn, auf der die Schülerinnen "Höhen und Tiefen" durchlebt hätten. Dabei bedankte sie sich nicht nur bei der Schulleitung und den Lehrern für die gute Prüfungsvorbereitung, sondern auch bei allen guten Geistern der Schule für die Freundlichkeit im Schulalltag.

Oberstudiendirektorin Renate Gammel begann ihre Rede mit der Feststellung: "Wir leben in einer verrückten Welt". Sie belegte dies am Beispiel der wachsenden Beliebtheit von grausamen Computerspielen, Gewalt verherrlichenden Videos und Filmen. Wie sich Gewalt auf den Einzelnen auswirkt, habe manche wohl schon selbst erfahren: verletzende Worte, Drohgebärden, verachtende Blicke - all dies sind Erscheinungsformen von Gewalt im Alltag. Um diese und jegliche Form von Gewalt zu bannen, genüge es jedoch nicht, wenn im Gefolge der Ereignisse von Erfurt schärfere Mediengesetze erlassen würden. Vielmehr liege es an jedem Einzelnen, sich selbstbewusst und mutig der Gewalt zu verweigern: "Machen Sie nicht mit, wenn Leute auf Kosten der Menschenwürde Geschäfte machen wollen!" So appellierte Gammel an die Schülerinnen, dabei mitzuhelfen eine "freundliche, mitfühlende Gesellschaft zu bauen."

Elternbeiratsvorsitzende Gerlinde Barthel gab den Absolventinnen mit auf den Weg: "Bleib dir selbst treu!"

Die Schulmedaille für besondere Verdienste um die Schulgemeinschaft bekamen Doris Schißlbauer, Kerstin Dollacker, Andrea Kammerl und Kathrin Lehnerer verliehen. - Abschließend lud der Elternbeirat zum Sektempfang in den Klostergarten.


Amberger Zeitung, ??. Juli 2002