Abendvortrag im Gerhardinger-Saal am Mittwoch, 23. Oktober 2019, um 19:00 Uhr mit Domvikar Msgr. Georg Schwager zum Thema "Bischof Georg Michael Wittmann"; eingeladen sind alle Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Blaue Barke

Blaue Barke 2019

Blaue Barke 2018/19

Die Zahl der Beiträge zum diesjährigen literarischen Wettbewerb um die Blaue Barke war auch in diesem Schuljahr wieder erfreulich hoch: 86 Einreichungen wurden gezählt. Die Mitglieder der Jury hatten also eine Menge zu lesen; außer den Lehrkräften Daniela Braun, Georg Luft, Peter Ringeisen, Hendrik Rosenboem, Julia Simbeck, Petra Strecker und Monika Weber waren Buchhändlerin Brigitte Müller (auch ehemalige Schülerin) und Elternbeirätin Mandy Benndorf (Elternbeirat/RS) dabei.

Folgende Themen standen zur Auswahl:



Tatsächlich wurden alle Themen bearbeitet, und die Schülerinnen machten Gebrauch von der Freiheit der Textsortenwahl, so dass neben vielen Erzählungen auch etliche Gedichte und Text-Bild-Kombinationen entstanden. Die Entscheidung fiel manchmal nicht leicht, aber letztendlich einigten sich die Jury-Mitglieder auf folgende Beiträge, die sie für preiswürdig erachteten:

Jgst. 5/6
1. Platz: „Aufregende Lesenacht“ von J. Gierke/A. Reiser/C. Ruppert (G6b)
2. Platz: „Eine aufregende Lesenacht“ von Leonie Messmann (G5b)
3. Platz: „Allein im Schulhaus“ von Lillith Hüser (R6b)

Jgst. 7/8
1. Platz: „Die Offline-Lovestory“ von Paula Demleitner (G7a)
2. Platz: „Seltsam“ von Viktoria Bin (G7a)
3. Platz: „Lesenacht mit Hindernissen“ (G8b)

Jgst. 9/10/11
1. Platz: „Offline“ von Luisa Häusler (R10c)
2. Platz: „Offline“ von Antonia Stelter (G9a)
3. Platz: „Offline“ von Sibylle Krestel (G10b)

Sonderpreise der Jury



Gestiftet wurden die Preise vom Elternbeirat (herzlichen Dank!) sowie die Sonderpreise der Jury von der Jury.

Und nun viel Vergnügen beim Lesen des Siegertextes aus Jgst. 9/10/11 von Luisa Häusler (R10c)!

Julia Simbeck und Monika Weber
(Fachbetreuerinnen Deutsch Gymnasium und Realschule)




Gewinner




Luisa Häusler (R10c)

O F F L I N E
Ohne Follower Freiheit Leben Ist Nicht Einfach


Kunstunterricht. Es riecht nach Ölfarbe und Anstrengungen, den Obstkorb naturgetreu auf die Leinwand zu bringen. Dann die Verkündigung der Lehrerin, jetzt den letzten Pinselstrich zu tätigen und im Anschluss alles aufzuräumen. Gesagt, getan. Nur Lucinda bleibt regungslos und in sich gekehrt stehen. Sie bekam alles mit- das Tuscheln und Kichern, welches bestimmt ihr gelten sollte, die Beschwerden über Ölfarbe, die langen, übertrieben gepflegten Fingernägeln gelten sollten, und alles andere. Das sind also die Menschen, mit denen sie sich tagein, tagaus abgeben muss. Allesamt verhätschelte Jungen und Mädchen dieser Münchner Privatschule und allesamt die gleichen.


Langweilig. Eintönig. Wer nicht dazu gehört, das entscheiden normalerweise sie. Aber diesmal nicht. Nein, Lucinda will selber zeigen, dass sie nicht mehr dazugehören will. Dass sie keine von ihnen ist. Der erste Schritt war der, offline zu gehen: lnstagram-Account gelöscht. Snap-Chat deinstalliert. WhatsApp seither meiden.
Das allein schon hatte sie nicht unerheblich in Verruf gebracht. Aber das ist Lucinda egal. Sie möchte mit dieser Scheinwelt im Internet nichts mehr zu tun haben. All diese künstlich schönen Fotos von ihr selbst und den anderen, das Lachen, die Posen. Keines solcher geschminkten Mädchen auf den Bildern ihres Accounts war wirklich sie gewesen. Herzen und Likes für Lucindas Posts waren ihr gleichermaßen egal und wichtig, weil diese erstens eine Täuschung lobten, aber zweitens nützlich waren, um in dieser seltsamen Gesellschaft zu bestehen. Sie hasste sich beinahe selbst, sich derart angepasst zu haben. Verbogen und verraten. Doch diese Tarnung wollte sie nun endlich ablegen.
Lucinda schiebt sich an einer parfümierten Traube von Möchtegern-Nachwuchsmodels vorbei zu einem Regal. Dort zieht sie eine Schere aus einer Kiste, steckt die Finger hinein und – schnipp schnapp – glatte blonde Strähnen fallen auf grauen Boden. Auch das ist eine Lüge. Zwar haben ihre Haare tatsächlich diese Farbe, aber sie sind nicht so perfekt glatt. Eigentlich umwallen ungebärdige Wellen von Blond ihr Gesicht und wollen sich nicht dem Willen ihrer Trägerin beugen. Lucinda fragt sich oft, weshalb sie denn angefangen hatte, ihr Haar stundenlang zu glätten, bis es – inzwischen über den Ellbogen hinaus gewachsen – platt ist wie Teig unterm Nudelholz. Wegen den anderen? Weitere Strähnen fallen ... Schließlich endet ihr Schopf knapp über den Schultern. Abartig lange Haare werden überschätzt, findet sie. „Cindy!” Eine von Lucindas sogenannten Freundinnen steht vor ihr, die Stirn irritiert in Falten gelegt. „Warum zerstörst du deine Frisur?" Das klang derart anmaßend und verständnislos, wie die Reaktion auf eine Freundschaftskündigung nicht schlimmer sein könnte. Lucinda atmete tief ein. Irgendwann muss dieser Moment kommen. Sie hatte nie gänzlich durchblicken lassen, wer sie im innersten, echtesten Kern ihrer Seele ist. Dabei hätten einige der hier Anwesenden ein Recht darauf gehabt, es zu erfahren. Aber eine Lüge aufrecht zu erhalten, ist einfacher, als die Tür zum Herzen zu öffnen. „lch war dumm“, beginnt Lucinda und mit jedem Wort, das sie formt, schrumpft der angestaute Batzen Frust in ihrem Herzen. Jedes Wort schmeckt nach einer verrückten Mischung aus Anspannung, Freude, Angst und Hoffnung. „Doch ich meine damit nicht, meine Haare geschnitten zu haben.", sie beäugt kurz die schiefen Fransen, „Sondern, dass ich es zugelassen habe, mich nach eurem Vorbild zu verhalten. Das war feige und rückgratlos.” Das Mädchen ihr gegenüber öffnet den roten Mund zu einer Erwíderung. „Ich weiß nicht, was du hast. Du bist doch eine von uns...“


„Nein”, gibt Lucinda kleinlaut zurück. „Tut mir leid.“ „lch versteh‘ das nicht, erst lnsta und dann das hier?l”, empört die vermeintliche Freundin sich und zieht kopfschüttelnd ab. Verständnis wäre von einer wie ihr zuviel verlangt, nicht aber ein klein wenig Respekt für Lucindas Entscheidungen. Sie streicht sich über die Stirn, auf der sich ein paar kleine Schweißperlen sammelten. Nichts, was sie gerade tut, war geplant. Oder überlegt. Eher intuitiv, aus dem Bauch heraus. Offline zu gehen war der Anfang gewesen, nun hält sie auf den Höhepunkt zu und das Ende - wie soll das aussehen? Eines ist jedoch gewiss, und zwar, dass nicht einem entgangen war, wie Lucinda mit ihren Haaren kurzen Prozess machte und dann unversehens bei ihrer Freundin mit der Wahrheit herausplatzte. Wenn Jugendliche etwas hervorragend beherrschen, dann war das Tuscheln. Wettern. Lästern. Reden. Weitersagen. Weiterschreiben. Heute weiß es die ganze Klasse, morgen die ganze Schule. Egal ob es darum geht, dass Finn Blanca abserviert hat oder Lucinda wie von Sinnen ihr Leben neu ordnet: dieser Weg der Nachrichtenverbreitung funktioniert immer und zuverlässig. So macht Lucindas gesellschaftlicher Selbstmord die Runde.
Wie erleichtert sie dann ist, als sie sich auf den Heimweg machen kann! Mit einem Blick auf ihr stummes Smartphone ist klar, dass sie es erst einmal nicht einschalten wird. Offline – in der realen Welt -ist es ihr möglich, sichere Verstecke vor Schmähungen zu finden. Und obwohl Lucinda sich noch nie zuvor so verwundbar gefühlt hatte, keimte ein kleines Samenkorn von Kraft in ihr auf. Denn sie ist nun frei. Endlich frei. Keine Zwänge mehr. Du musst diese Kleidung tragen, du musst einen Freund haben, du musst diese Meinung vertreten... Fort damit. Fort mit diesen Fesseln. Fort von scharfen Zungen. „Was mache ich jetzt?”, mauschelt sie zu sich selbst. Lucinda hat die Wahl, so wie jeder Vogel die Wahl hat, wohin er fliegen möchte.
Jeden Tag aufs Neue wird sie für diese Freiheit kämpfen müssen. Natürlich weiß sie längst, was sie nun tun wird. Menschen suchen, die nicht von ihr erwarten, jedwede Anforderungen zu erfüllen, vor denen sie davonläuft. Wen, wenn nicht den Jungen, der einmal ihr bester Freund war, sollte sie nun suchen? Doch sie konnten sich nach einem Streit lange nicht in die Augen sehen. Trotzdem oder genau deshalb steht Lucinda einige Zeit später vor der Tür des Hauses, in dem er mit ihrer Mutter seit der Scheidung vom Vater lebt. Luis. Ihr Bruder. Kaum vier Minuten jünger als sie und mit denselben haselnussbraunen Augen wie Lucinda geboren. Schon will sie klingeln, da packen sie die ersten Zweifel. Was wird er sagen? Was wird sie sagen? Wahrscheinlich denkt er, sie komme angekrochen, weil er nun der einzige in ihrem Alter ist, bei dem sie sich blicken lassen kann, ohne ausgelacht zu werden. Lucindas zitternder Finger drückt dennoch den Knopf – kling. Er wird bestimmt die Tür wieder zuschlagen. Oder den Streit fortführen. Knarrrz. Die Tür öffnet sich! Lucinda schluckt schwer und versucht, ihr wildgewordenes Herz mit gleichmäßigen Atemzügen zu beruhigen, als wäre es ein verschrecktes Tier. Da ist er. Und was sagt er? „Hallo, Lucy. Ist ein Kleinkind über deine Haare hergefallen?“ Nun ja ... Es kommt eben immer alles anders als gedacht. „Nein. Das hab ich selber gemacht.“ „Sieht gut aus”, meint er schlicht und betrachtet ihr vom Nieselregen gewelltes und schief geschnittenes Haar. Schief ist auch Luis‘ zaghaftes Lächeln, welches sich auch in seinen vertrauten, treuen Augen widerspiegelt. Endlich fühlt sich Lucinda so glücklich wie seit langem nicht mehr. Er verzeiht ihr und sie ihm. Lucindas erster Follower in der echten Welt, und er ist tausendmal mehr wert als einer im Netz. Warum sollte sie jemals wieder online sein?

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