Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium / Realschule
Abendvortrag im Gerhardinger-Saal am Mittwoch, 19. September 2018 um 19.00 Uhr zum Thema „Der kurze Weg vom digital naiv zum digitalen Naivling". OStD a. D. Josef Kraus nimmt kritisch Stellung zur Digitalisierung. Eingeladen sind alle Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Aktuelles

Projekttag über Deutsche aus Böhmen und Mähren: Reflexionen zum Heimatbegriff [zurück zur Übersicht]

VorschauDass Kafka und Prag zusammen gehören, wissen viele - aber wer verbindet den Autobauer Ferdinand Porsche, den Kinderbuchautor Otfried Preußler oder den Begründer der Vererbungslehre, Johann Gregor Mendel, mit Böhmen und Mähren, also dem heutigen Tschechien?
Aufschluss über zwölf Persönlichkeiten mit böhmischen oder mährischen Wurzeln erhielten vom 4. bis 23. Oktober 2011 die Besucher der Ausstellung „In BÖHMEN UND MÄHREN GEBOREN – bei uns (un)bekannt?“, die im Foyer der Turnhalle der Dr.-Johanna-Decker-Schulen eröffnet wurde.
Verbunden war die Ausstellungseröffnung mit einem Projekttag für die drei zehnten Klassen des Gymnasiums.

Einleitend begrüßte Oberstudiendirektorin Renate Gammel zusammen mit den Schülerinnen der 10. Jahrgangsstufe den Kulturreferenten des Adalbert-Stifter-Vereins, Dr. Wolfgang Schwarz, der die Ausstellung konzipierte und mit Tanja Krombach vom „Deutschen Kulturforum östliches Europa“ in Potsdam anschließend den Projekttag leitete.
Nach einer kurzen Einführung durch Dr. Schwarz galt es für die Mädchen, bei einem Quiz Fragen zu Leben und Werk ausgewählter Männer und Frauen anhand der Infotafeln innerhalb kurzer Zeit zu lösen. Im anschließenden Vortrag erläuterte Dr. Schwarz knapp die Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung in den osteuropäischen Ländern und ging besonders auf die Situation der ca. 3 Millionen Deutschen in Böhmen und Mähren nach dem ersten Weltkrieg bis zu ihrer Flucht und Vertreibung in den Jahren 1945 bis 1947 ein. In einem zweiten Teil verdeutlichte er anhand der Kurzbiographien von Marie von Ebner-Eschenbach, Franz Kafka, Oskar Schindler und Otfried Preußler deren unterschiedliches Verhältnis zu ihrer böhmischen bzw. mährischen Heimat.
In drei Workshops, geleitet von Dr. Schwarz, Tanja Krombach und Studiendirektor Rolf Künstler, gingen die Mädchen mittels kurzer biographischer Texte der Frage nach, weshalb Persönlichkeiten wie Franz Kafka, ihr Leben lang ihrer Heimat eng verbunden waren, während andere, wie Bertha von Suttner, Ferdinand Porsche oder Rainer M. Rilke schon bald ihre böhmischen Geburtsorte verlassen haben. Diese Überlegungen waren der Ausgangspunkt, um sich Gedanken über das eigene Verhältnis zur Heimat zu machen: Bleiben oder wegziehen? Wie stark ist die Bindung an die Heimat? Welche Faktoren bilden überhaupt Heimat?
Sehr gut nachvollziehen konnten die Schülerinnen, dass berufliches Weiterkommen, Liebe oder Lust auf etwas Neues Antrieb zum Aufbruch waren, dennoch wünschen aber auch über die Hälfte der Mädchen, die eigene Zukunft in einer engen Bindung an die bayerische Heimat zu halten. Am Schicksal der Deutschen in Böhmen und Mähren nach dem 2. Weltkrieg wird der Unterschied zur heutigen Mobilität deutlich: Diese Menschen hatten keine Möglichkeit, in freier Entscheidung in ihrer Heimat zu bleiben oder zu gehen oder auch wieder zurückzukehren. Verständnis hatten die Schülerinnen für die schwere Situation vieler Sudetendeutscher, die sich in einer neuen, fremden Umgebung zurechtfinden und den Riss in der eigenen Familiengeschichte verarbeiten mussten.
Nach der Präsentation der in den Workshops erarbeiteten Ergebnisse im Plenum durch die Schülerinnen bildete eine Testverkostung mit Karlsbader Oblaten
den süßen Ausklang des Projektvormittags.


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