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Weimarer Kulturexpress thematisiert Handy-Sucht [zurück zur Übersicht]

VorschauMit authentischen, lebensnahen Dialogen brachte die Theatergruppe Weimarer Kulturexpress das Thema Handy-Sucht auf die Bühne des Gerhardinger-Saals und sprach damit direkt den Erfahrungsbereich jugendlicher Schüler an. 65 Minuten Aufführung und 25 Minuten Diskussion mit den Schülerinnen ...

... geprägt von der spontanen, offenen und sympathischen Art der jungen Schauspielerinnen – boten eine intensive Auseinandersetzung mit der Problematik.

Michaela Beer verkörperte die Mutter und (nach schnellem Kostümwechsel) die Freundin der Hauptperson Jule, die von Sabrina Hennings dargestellt wurde. Beiden gelang die Vermittlung der Lage und der Gefühle ihrer Figuren sehr überzeugend.

Jule bekommt zum Geburtstag endlich das neue, heißersehnte Smartphone. Damit eröffnet sich ihr ein noch schnellerer, leichterer und vor allem ortsungebundener Zugriff auf Spiele- und Netzwerkportale. Die ständige Erreichbarkeit erweist sich als Fluch und Segen zugleich. Für Jule ist es einerseits sehr reizvoll, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen und dauernd posten zu können.
Ihre realen Freunde, vor allem ihre beste Freundin Elli und die Band, geraten andererseits mehr und mehr in den Hintergrund. Als Schlagzeugerin ist Jule unersetzbar, lässt aber Proben platzen.

Auch die Beziehung zu ihrer Mutter und zu anderen Angehörigen wie Vater und Oma leidet darunter. Immer mehr vernachlässigt sie die Schule – sogar in Sport Note 6, was die Mutter sehr in Sorge versetzt. Dass Jule sich weigert, im Haushalt mitzuhelfen, kommt hinzu, ebenso ein immer ruppigerer Umgangston der Mutter gegenüber.

Schließlich gerät auch die finanzielle Seite außer Kontrolle, denn das Mädchen kauft online nicht nur Spiele, sondern auch teures Zubehör dazu. So leichtsinnig, wie sie hier ist, zeigt sie sich bei der Kontaktaufnahme zu anderen Leute in den Online-Foren.
Am Ende bleibt Jule nichts anderes übrig, als sich einzugestehen, dass sie abhängig vom Smartphone ist und eine Entziehungskur in einer Klinik braucht.

Die anschließende Diskussion brachte interessante Rückfragen zu Details der Handlung, weshalb beispielsweise die Mutter nicht gleich vehementer reagiert oder welche Aussage das positive Schlussbild hat. Als eine Schülerin bezweifelte, dass die dargestellte Entwicklung sich in Wirklichkeit so abspielen würde, berichteten die Schauspielerinnen, dass sie von realen Fällen wüssten, die sogar die im Stück gezeigte Handlung noch überträfen.

Mit reichlich Gesprächsstoff über die eigene Beziehung zu ihrem Mobiltelefon ausgerüstet, dankten die Schülerinnen für die engagierte Leistung des Weimarer Kulturexpress mit kräftigem Beifall.

(djd-Bericht vom 02.04.2019/sim, rip; Bild: djd)


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