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Abendvortrag: "Familie als Keimzelle der Gesellschaft" [zurück zur Übersicht]

Vorschau„Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft“ – so lautete der Titel des Vortrags im Gerhardinger-Saal, den Diplom-Psychologe Sebastian Sonntag hielt. Diese Veranstaltung der Katholischen Erwachsenen-Bildung (KEB) in Kooperation mit den Dr.-Johanna-Decker-Schulen war gleichzeitig die erste in einer ganzen Reihe zum Thema Familie, die die KEB in diesem Jahr durchführt.

Der erfahrene Psychologe und Familientherapeut begann mit seiner eigenen Erfahrung als Kind in einer Familie mit acht Geschwistern: Kinder bemühen sich immer, ihre Eltern glücklich zu machen. Auch vermeintlich störendes oder unverständliches Verhalten habe oft seinen Grund darin, dass das Kind die Eltern irgendwie zu schützen versuche. Deshalb sei es auch nie sinnvoll, ein Kind allein therapieren zu wollen. Sonntag betonte: „Das Kind ist Teil eines Systems (der Familie) – wenn sich ein Element ändert, ändert sich alles.“

Der Stellenwert einer intakten Familie für das eigene Wohlbefinden ist in den letzten Jahren eher noch gestiegen – bei jungen Leuten sogar von etwa 50 % auf ca. 80 %. Dahinter stehe wohl auch die Sehnsucht nach Harmonie in der Familie.

Durch ein Modell aus Holzbausteinen (s. Foto) veranschaulichte Sonntag die Stabilitätsstruktur von Familien: Unter dem Dach der Familie sind die Kinder geborgen, ihre Basis ist der Baustein „Eltern“ – der wiederum auf dem Baustein „Paar“ liegt. „Wenn die Paarbeziehung wackelt, dann wackelt die ganze Familie“, erläuterte Sonntag. Doch das „Paar“ ist noch nicht das Fundament des Hauses – es geht noch tiefer, denn die Paarbeziehung wiederum baut auf den Einzelpersonen auf. Die Partner, aus denen das Paar sich zusammensetzt, müssten akzeptieren, dass beide eine eigene Geschichte mitbringen – und dass beide auch unterschiedliche Bedürfnisse haben: Der eine interessiert sich vielleicht mehr für Fußball, der andere mehr für die Oper beispielsweise, und es sei nicht die vorderste Aufgabe des einen, seinen Partner glücklich zu machen, sondern jeder sei zunächst einmal für sein eigenes Glück zuständig.

Um den Aspekt der Selbstständigkeit und der Individualität der Partner zu verdeutlichen, hatte der Psychologe ein weiteres Bild parat: Er platzierte zwei Plüschtiere aufs Rednerpult – einen Hasen und eine Schildkröte. So unterschiedlich wie diese Tiere seien, so unterschiedlich seien auch die Partner – und ein wichtiger Schritt zum Glück sei es erstens, sich selbst mit seinen Eigenschaften anzunehmen, und zweitens zu akzeptieren, dass der andere eben anders sei.

Der Aspekt der Selbstannahme wurde noch weiter vertieft, u. a. mit dem Aphorismus: „Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät“ – womit gemeint sei, dass jemand auch im Nachhinein, falls er oder sie mit schlechten Erinnerungen auf die Kindheit zurückblicke, positive Elemente finden und so gestärkt in die Zukunft schauen könne.

Eine wichtige Rolle spiele dabei die Kommunikation zwischen den Partnern. Die Zeit der Rundumversorgung im Leben eines Menschen, ohne dass man einen Wunsch zu äußern brauchte, sei auf neun Monate beschränkt, betonte Sonntag: Das sei die Zeit im Mutterleib. Danach sei es wichtig, sich mitzuteilen.

Sonntag gab weiter zu bedenken: Wenn diese gegenseitigen Rückmeldungen zu lange ausblieben und Missverständnisse und Verletzungen entstanden seien, dann müsse dieser Zustand der Entfremdung nicht automatisch zu einer Scheidung führen. Sondern oft sei es sehr heilsam, voneinander im Wortsinn „Abstand zu nehmen“, unter Umständen auch in getrennten Wohnungen, um dann in dieser Zeit sich wieder neu auf sich selbst und auf die Partnerschaft zu besinnen und einzulassen.

Die einleuchtenden und mit Herzenswärme vorgetragenen Analysen und Ratschläge von Sebastian Sonntag wurden von den zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörern mit viel Applaus bedacht, und der Hausherr, Oberstudiendirektor Günter Jehl, dankte dem Referenten für seinen aufschlussreichen Vortrag.


(djd-Bericht vom 18.01.2019/rip; Bilder: djd)

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