Aktuelles

Abendvortrag: Josef Kraus über die richtige Dosis digitaler Medien [zurück zur Übersicht]

VorschauOberstudiendirektor a. D. Josef Kraus war auf Einladung der Dr.Johanna-Decker-Schulen in Kooperation mit der KEB Amberg-Sulzbach in den Gerhardinger-Saal gekommen. Ob es nun an der Prominenz des Vortragenden oder am provokanten Titel lag ("Der kurze Weg vom digital native zum digitalen Naivling") – jedenfalls erschienen zahlreiche interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer. Und Kraus enttäuschte nicht: Trotz des anspruchsvollen Themas kam nie Langeweile auf; er verstand es, sein Publikum durch seine Vortragsweise und seine plastischen Formulierungen mitzunehmen und zu faszinieren.

Dipl.-Psych. Josef Kraus ist gelernter Deutsch- und Sportlehrer sowie Schulpsychologe. 20 Jahre lang leitete er das Gymnasium in Vilsbiburg, 30 Jahre lang war er Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Er hat mehrere Bücher geschrieben und herausgegeben und ist als ausgewiesener Kenner der Materie immer wieder auch Gast in Talkshows.

Da der Titel eine recht technikfeindliche Tendenz auszudrücken scheint, sei gleich am Anfang gesagt: Hier sprach kein Computer-Stürmer, der alles Digitale am liebsten abschaffen würde. Der frühere Schulleiter des Vilsbiburger Gymnasiums stellte klar, dass er für die Ausstattung aller Klassenzimmer seiner Schule mit einem Computer, einem Beamer und Internetzugang gesorgt habe – aber auch für den Ausbau einer eigenen Bibliothek mit 40.000 Büchern, die ganztags geöffnet ist (zusammen mit der Kreis- und Stadtbibliothek). Kraus betonte, man könne fantastische Projekte mithilfe der digitalen Medien durchführen.
Der Schwerpunkt des Vortrags jedoch war eine Warnung vor naiver Technikgläubigkeit und gedanklicher Bequemlichkeit einerseits und andererseits vor rücksichtsloser Lobby-Arbeit von Konzernen und Firmen, die nichts als ihren eigenen Profit im Sinn hätten.

In Anspielung auf den „Nürnberger Trichter“ führte Kraus aus, die Enthusiasten der digitalen Bildung glaubten, Lernen sei ohne Anstrengung möglich. Die mit „Edutainment“ oder „Infotainment“ benannten Lernmodelle betitelte er als „neues Trichterstadium: der digitale Nürnberger Trichter“. Die flächendeckende Versorgung aller Klassenzimmer mit Tablets oder Laptops sei vor allem eines: ein Milliardengeschäft für die Hersteller und Händler. Für Kraus muss nach wie vor der klassische Unterricht im Lehrer-Schüler-Gespräch im Zentrum schulischer Bildung stehen. In einer überlegten Dosis sei der Einsatz digitaler Medien verantwortbar und nötig, die Erziehung zur „Medienmündigkeit“ ein Muss. Zur Medienmündigkeit gehöre unter anderem die Fähigkeit zu sinnentnehmendem Lesen und die Fähigkeit, „zwischen Sinnvollem und Schrott zu unterscheiden“.

U. a. mit Bezug auf Prof. Gerald Lembke („Die Lüge der digitalen Bildung“, 2015) gab sich Kraus überzeugt, dass Kinder im Alter bis zu 12 Jahren mit dem Computer in seinen verschiedenen Erscheinungsformen noch nicht in Kontakt kommen sollten, da sie die Vielfalt der (unverstandenen) Möglichkeiten mehr verwirre und ablenke, als dass sie ihnen einen Erkenntnis- oder Lerngewinn brächten.

Pointiert warnte der Vortragende davor, „Download-Lernen“ oder „Just-in-time-Lernen“ mit Bildung zu verwechseln: „Digitalisierung macht Vorratswissen nicht überflüssig!“ Ein fester Wissensbestand sei unerlässlich, denn sonst könnte man als Nutzer des Internet leicht in die Irre gehen. Kraus zitierte Marie von Ebner-Eschenbach mit ihrem Aphorismus: „Wer nichts weiß, muss alles glauben“, und setzte eine modernisierte Variante drauf: „Wer nichts weiß, kann nicht mal richtig googeln.“

Bei Bildung gehe es um Orientierung und Identität – und beides könne man nicht aus dem Internet downloaden, sondern es entwickle sich in der personalen Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen und Lehrkräften, mit Eltern und Freunden.

Das Vorbild der Eltern in deren Umgang mit Smartphone und/oder Tablet sei von großer Bedeutung. Wenn auch die Eltern nicht beispielsweise bei gemeinsamen Mahlzeiten das Handy aus der Hand legen könnten, wie sollten dann die Kinder einnen sinnvollen Umgang damit lernen?

Schulleiter Günter Jehl dankte dem Vortragenden herzlich für seine ausführliche und kenntnisreiche Darstellung des Themas, und eine interessierte Fragerunde schloss sich an. Zum Abschluss konnten noch Bücher aus der Feder (bzw. unter Mitwirkung) von Josef Kraus erworben werden, z. B. „Helikopter-Eltern“ (2013) und, ganz ohne Bezug zu Computern: „Sternstunden: Große Texte deutscher Sprache“ (2018, hg. Josef Kraus und Walter Krämer).


auf dem Gruppenbild (von links): Christian Irlbacher (Mitarbeiter in der KEB-Geschäftsführung), OStD a. D. Dipl.-Psych. Josef Kraus, OStD Günter Jehl, Dr. Bernhard Oswald (Ständiger Stellvertreter der DJDS-Schulleitung), StR i. K. (RS) Markus Hilgart (Systembetreuer)


(djd-Bericht vom 22.09.2018/rip; Fotos: djd)

Klicken Sie auf ein Bild, um das ganze Album anzuzeigen.


alle News im Archiv ansehen

Logo_Umweltschule

aktuelle Termine:

21.12.2018

letzter Schultag vor den Weihnachtsferien

Gottesdienst in St. Martin
für alle Klassen...

15.02.2019

Ausgabe der Zwischenzeugnisse

6. Stunde Klassleiterstunde...

21.02.2019

Berufswahlseminar

für die 9. Kl. der Realschule...

22.02.2019

Auftaktveranstaltung der Amberger Schultheatertage

um 19:30 Uhr im Stadttheater...

23.02.2019

Job-Infotag

für die 11. Jgst....

04.03. bis 08.03.2019

Frühjahrsferien

...

13.03. bis 15.03.2019

Besinnungstage in Habsberg

für die 8. Kl. des Gymnasiums...

29.03.2019

Informationsveranstaltung zum Übertritt

für Gymnasium und Realschule
von 15:00 bis 18:00 Uhr...

15.04. bis 26.04.2019

Osterferien

...

Unsere Kooperationspartner
Kooperationspartner
Impressum     *     Datenschutzerklärung