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Molière-Stück mit viel Elan und Können präsentiert [zurück zur Übersicht]

VorschauIst erbarmungslose Ehrlichkeit die Lösung? - Die Oberstufe der DJDS spielt den „Menschenfeind“ von Molière. Hans-Christoph Schulz, einer der Schultheater-Leiter des GMG, schreibt über die Aufführung am 03.07.2019:

„Live! Alceste Lafitte liest. Abendkasse: 15€“ - „VOGUE heute: Party Dessous - Fashion Affair mit Célimène“
Die Plakate am Eingang machen klar - heute treffen wir die Crème de la Crème, den Jetset, die Stars und Sternchen.

Und schon in der ersten Sekunde des Stücks geht es hinein in die Bussi-Gesellschaft. Alle scheinen die besten Freunde zu sein. Küsschen hier. Küsschen da. Aber wer auf der Party fehlt, wird gnadenlos dem Gelächter preisgegeben. Und mittendrin Alceste, der Aufrechte. Ihn ekelt vor seinen Mitmenschen, die er für widerliche Schleimer und erbarmungslose Intriganten hält. Dass er Recht haben könnte, wird im ganzen Stück nie bestritten. Aber wie überlebt man gesellschaftlich, wenn man keine Kompromisse machen will?

Dummerweise verliebt sich der standhafte Alceste ausgerechnet in Célimène, den Star in der Welt der Falschheit. Auf jedem Fest steht sie im Zentrum, über Abwesende gießt sie beißenden Spott aus, und ihre zahlreichen Verehrer ködert sie genauso geschickt wie sie sie dann in Ungewissheit über ihre Chancen schmoren lässt. Alceste versteht diese Spielchen nicht. Jeden Flirt hält er für eine ernste Sache. Seine ständigen Vorwürfe bringen die Beziehung immer wieder fast zum Scheitern. Aber vor allem erkennt er die echte Célimène nicht mehr hinter der Rolle, die sie für die Öffentlichkeit spielt.

Denn für ihn ist jeder, der das Rollenspiel mitmacht, ein abstoßender Heuchler. Und er ist fest entschlossen, sich nie zu verstellen. So lässt er sich hinreißen, dem einflussreichen Oronte seine ehrliche Meinung über dessen neuestes - und wunderbar missratenes - Gedicht aufzutischen. Der rächt sich mit politischen Intrigen, die Alceste vor Gericht und in große Gefahr bringen.

Sein enger Freund Philinte und die ihm wohlgesonnene Éliante versuchen verzweifelt, ihm manche gesellschaftliche Konvention näherzubringen und ihn vor den Folgen des Prozesses zu bewahren. Aber in seinem Furor sieht er einen ungerechten Prozessausgang eher als leuchtenden Beweis seiner Thesen von der verlogenen Gesellschaft.

Und seine Mitmenschen bestätigen ihn immer wieder durch ihr falsches Spiel in seiner Meinung. Besonders raffiniert Arsinoé, die sich zur reinsten Heiligen in diesem Schweinestall stilisiert, alle andere für moralisch verdorben erklärt, aber in ihrem Kampf um die Gunst Alcestes auch vor der unappetitlichsten Verleumdung nicht zurückschreckt.

Als Alceste glaubt, vor dem Prozess und den Menschen in die Einsamkeit irgendwo am Ende der Welt fliehen zu müssen, bedeutet das auch die Trennung von Célimène, die ihn ehrlich liebt - aber nicht bereit ist, mit ihm „allein mit einer riesenhaften Hammelherde“ zu leben. So kommt zum Schluss die von Alceste lange verschmähte Éliante mit seinem Freund Philinte zusammen. Und die Zuschauer sowie die versammelte Schickeria erfahren aus einem abgefangenen Brief von Célimène, was sie wirklich über ihre zahlreichen Verehrer denkt. So bekommen alle nochmal ordentlich ihr Fett ab.

Die Oberstufentheatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen bringt dieses Stück mit viel Elan und Können auf die Bühne. Und einer sehr gelungenen Besetzung:
Mal romantisch verliebt, dann wieder im ausufernden Streit: Maike Andresen als Alceste und Antonia Ferstl als Célimène sehr glaubhaft in den beiden Hauptrollen.
Wunderschönes Wechselspiel zwischen ehrlichen Worten für Alceste und haarsträubendem Verdrehen der Wahrheit für die feine Gesellschaft: Eva Pamler als Philinte und Sarah Dimpfl als Éliante.
Zwei trottelige Verehrer mit abstrusen Plänen, wie Célimène zu erobern wäre: Isabella Schwarz als Acaste und Lena Gimpl als Clitandre.
Der Intrigant, der mal schnell in zehn Minuten ein Gedicht zusammenschmiert und darauf so stolz ist wie das Gedicht grausig: Sibylle Krestel als Oronte.
Die bigotte Moralistin, die sich für keine Gemeinheit zu schade ist: Sophia Göbl als Arsinoé.
Außerdem Maria Altmann und Sofie Wittmann als loyale Diener und Madeleine Höreth als unbestechliche Vertreterin der Staatsgewalt.

Der alte Text wurde geschickt modernisiert und von der Gruppe aktualisiert, mit den Reimen gingen die Spielerinnen völlig souverän und natürlich um - eine große Kunst, ebenso wie das geschickte Platzieren der vielen Pointen.

So kam unter der kundigen Leitung von Studiendirektor Peter Ringeisen ein Theaterabend zustande, der nicht nur sehr gut unterhielt. Sondern der auch jede Menge Denkanstöße lieferte, wie man es selbst so hält mit der Balance zwischen manchmal erbarmungsloser Aufrichtigkeit und den kleinen oder größeren täglichen Unehrlichkeiten.


(Besprechung der Aufführung durch Hans-Christoph Schulz, Spielleiter am GMG, Amberg; Bilder: djd)

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